Eine Sirene fährt vorbei – und mein Kopf ist sofort bei meinem Mann und meinen Söhnen.
Ist ihnen etwas passiert?
Oder behandelt mein Kopf gerade eine Befürchtung wie eine Tatsache?
Wenn ich allein zu Hause bin und draußen die Sirene eines Polizeiwagens oder Krankenwagens höre, bleibt bei mir fast immer derselbe Gedanke hängen:
Ist einem meiner Männer etwas passiert?
Mein Mann und meine beiden Söhne haben einen Führerschein. Mein ältester Sohn fährt außerdem Motorrad – und keine kleine Maschine.
Einmal bin ich mit dem Auto hinter ihm hergefahren. Damals war er 19 und fuhr, wie junge 19-Jährige eben manchmal fahren: in meinen Augen schnell und ziemlich riskant. Sobald ich heute eine Sirene höre, habe ich genau diese Fahrt wieder vor Augen.
Er behauptet übrigens, diesen Fahrstil habe er von mir.
Keine Ahnung, wie er darauf kommt.
Aber seitdem braucht mein Kopf beim Klang einer Sirene nur wenige Sekunden. Schon male ich mir aus, welchem der drei etwas passiert sein könnte.
Mein Mann sagt dann immer:
„Wenn mir etwas passiert, informiert dich die Polizei.“
Super. Darauf freue ich mich.
Nicht.
Früher hat es lange gedauert, bis ich mich nach solchen Gedanken wieder beruhigt hatte. Heute gelingt es mir meistens besser, wenn ich mir nacheinander ein paar Fragen stelle:
Hat einer der drei einen Unfall? Ist das so?
Nein.
Ist einem meiner Männer etwas passiert?
Wurde einer von ihnen ins Krankenhaus eingeliefert? Ist das so?
Ich weiß es nicht – aber ich habe keinen Grund, es anzunehmen.
Mein Kopf hat aus einer Sirene bereits eine ganze Geschichte gemacht.
Muss ich mir in diesem Moment Sorgen machen?
Nein.
Es gelingt mir nicht immer sofort. Manchmal ist der Gedanke hartnäckiger. Aber meistens klappt es.
Und wenn ich merke, dass mein Kopf trotzdem nicht aufhören will, höre ich tatsächlich mein eigenes Audio. Eigentlich habe ich es für die Nacht entwickelt – für diese Stunden, in denen man schlafen möchte, während der Kopf unbedingt weiterdenken will.
Aber bei mir funktioniert es auch tagsüber. Zum Beispiel, wenn ich allein zu Hause bin, eine Sirene höre und mein Kopf meine Männer längst in sämtliche Krankenhäuser der Umgebung verteilt hat.
Ist es verrückt, dass ich mein eigenes Audio benutze?
Vielleicht.
Aber es hilft.
Deine Anna
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ÜBER DEN AUTOR

Anna Kammerer
Ich schreibe über Gedankenkarussell, Grübeln und den Kopf, der nachts einfach nicht zur Ruhe kommt.
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© 2025 Anna Kammerer
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