5 Uhr aufstehen – mehr Erfolg oder nur mehr Müdigkeit?

Viele Frauen glauben, dass frühes Aufstehen der Schlüssel zu mehr Energie und Produktivität ist.
Ich habe es getestet – und teile, warum es bei mir eher zu mehr Erschöpfung geführt hat.

Morgens um 5 aufstehen klingt nach Disziplin, Erfolg und mehr Energie am Morgen.
Viele Frauen glauben, dass sie damit ihr Morgentief überwinden können.
Doch was passiert, wenn der Körper eigentlich noch Schlaf braucht?

5 Uhr morgens gilt als magische Zeit.
Die Stunde der Erfolgreichen, der Disziplinierten, derer, die ihr Leben im Griff haben. Wer früh aufsteht, so heißt es, gewinnt Zeit, Fokus, Energie – und am Ende vielleicht sogar Erfolg.

Ich wollte wissen, ob da wirklich etwas dran ist.
Also habe ich es ausprobiert. Nicht einmal, sondern mehrfach. Im Sommer, im Herbst und im Winter. Jedes Mal mit ernsthafter Absicht. Und jedes Mal mit demselben Ergebnis.

Kurz zusammengefasst

  • Ich habe das 5-Uhr-Aufstehen mehrfach getestet

  • Im Sommer war es erträglicher, im Herbst und Winter extrem belastend

  • Ich war tagsüber müde, ohne echten Zeitgewinn

  • Sport und Schreiben funktionierten für mich morgens nicht

  • Mein Schlaf- und Lebensrhythmus geriet aus dem Gleichgewicht

  • Mein Fazit: Früh aufstehen ist kein Erfolgsfaktor – sondern Typsache


    5 Uhr morgens Aufstehen Mythos





Warum ich dachte, das könnte zu mir passen

Das Absurde ist: Ich bin eigentlich eine Lerche.
Früh aufstehen ist für mich nichts völlig Neues. Ich werde oft von selbst wach, der Wecker ist heute eher eine Absicherung als eine Notwendigkeit – und meistens schalte ich ihn aus, ohne ihn wirklich gebraucht zu haben.

1,5 Stunden früher aufzustehen als sonst klang also machbar.
Der Plan war klar: ein bisschen Sport, ein bisschen Schreiben, dann entspannt in den Tag starten. Keine Hektik mehr, kein Gefühl, sofort hinterherzulaufen.

In meinem Kopf sah das gut aus. Sehr gut sogar.

Der Plan: 5 Uhr, Bewegung und Schreiben

Ich hatte mir vorgestellt, wie ruhig diese Stunde sein würde.
Noch kein Lärm, keine Termine, keine Anforderungen. Nur ich, mein Körper, meine Gedanken.

Sport sollte den Kreislauf in Schwung bringen.
Schreiben – oder Journaling, wie man heute sagt – sollte den Kopf sortieren.

Was ich unterschätzt habe:
Dass ein früher Start nicht automatisch ein guter Start ist.

Sommer, Herbst, Winter – drei Jahreszeiten, ein Ergebnis

Im Sommer war es tatsächlich am erträglichsten.
Die Sonne ging früh auf, die Vögel machten ihr morgendliches Spektakel, und rein atmosphärisch hatte das etwas Friedliches.

Aber selbst da hat es mich innerlich gestört.
Ich brauche morgens Zeit, um mich gedanklich zu sortieren – ja.
Aber nicht Sport. Sport ist für mich am frühen Morgen reine Anstrengung. Er funktioniert bei mir erst später, eher am späten Vormittag.

Im Herbst und im Winter kippte das Ganze endgültig.
Dunkelheit. Kälte. Kein Vogel, kein Licht, kein „Hurra“.
Meine Motivation war komplett weg. Es war nicht inspirierend, nicht kraftvoll, nicht energetisierend. Es war schlicht mühsam.

Und vor allem: Ich war den ganzen Tag müde.

Müdigkeit ist nicht immer sofort da – aber sie bleibt

Das Gemeine war:
Die Müdigkeit kam nicht sofort. Sie kroch.

Vormittags war ich schon erschöpft.
Mittags fühlte ich mich wie nach einem halben Tag zu viel.
Und abends war ich hundemüde – konnte aber trotzdem nicht gut einschlafen, weil es für meinen Körper eigentlich noch zu früh war.

Ich konnte den fehlenden Schlaf nicht aufholen.
Früher ins Bett gehen ging nicht. Und ehrlich gesagt: Ich wollte das auch nicht.

Der Preis: mein Abend und mein soziales Leben

Ich brauche abends ungefähr eine Stunde, um wirklich runterzukommen.
Dann schlafe ich gut. Dann schlafe ich durch.

Wenn ich um 5 Uhr aufstehen wollte und auf meine sieben Stunden Schlaf kam, hätte ich gegen 21 Uhr anfangen müssen, mich „bettfertig“ zu machen. Unter der Woche bedeutet das: kein Kino, kein Ausgehen, kein spontanes Treffen, kein normaler Abend.

Und vor allem:
Keine Zeit mehr mit meinem Mann.
Keine Stunde nur für mich.

Das fühlte sich nicht nach einem besseren Leben an – sondern nach einem engeren.

Mehr Tee, mehr Essen – und trotzdem keine Energie

In dieser Zeit habe ich deutlich mehr schwarzen Tee getrunken.
Stärker. Häufiger. Um wach zu werden.

Ich habe auch mehr gegessen.
Ob aus Frust oder aus Erschöpfung – das kann ich rückblickend nicht eindeutig sagen.

Was ich aber sicher sagen kann:
Energie war das nicht.

Schreiben am Morgen – plötzlich anstrengend

Ich schreibe eigentlich gern. Schon immer.
Aber um 5 Uhr morgens, mit leerem Bauch, vor schwarzem Tee und Haferflocken, war Schreiben für mich nur eines: zäh.

Ich bin morgens geistig noch nicht sofort da.
Ich brauche Frühstück. Ich brauche Ankommen.

Vielleicht gehörst du zu der Sorte Mensch wie mein Mann:
Er isst erst am späten Nachmittag und dafür bis in die Nacht – eine astreine Nachtigall, auch wenn die Stimme nicht dazu passt.

Ich bin das nicht.

Drei Anläufe, drei Abbrüche

Ich habe dreimal mit dem 5-Uhr-Aufstehen angefangen.
Und dreimal innerhalb einer Woche wieder aufgehört.

Nicht aus Bequemlichkeit.
Sondern weil mein kompletter Rhythmus aus dem Takt war.

Und dann kam etwas, das mich im Nachhinein fast mehr belastet hat als die Müdigkeit selbst:
das schlechte Gewissen.

„Vielleicht bin ich einfach zu schwach“

Ich habe lange geglaubt, ich sei zu dumm dafür.
Zu weich.
Zu wenig diszipliniert.
Zu wenig leistungsbereit.

Alle anderen schaffen das doch auch.
Zumindest sieht es online so aus.

Warum also jammern?
Selbstoptimierung ist doch das ganze Leben – oder?

Dieser Gedanke hat mich mehr Energie gekostet als jedes frühe Aufstehen.

Notwendigkeit trägt – Optimierung nicht

Ich weiß sehr genau, was Schlafmangel bedeutet.
Mein jüngstes Kind hat über zwei Jahre nicht durchgeschlafen und kam jede Nacht mehrmals. Ich habe funktioniert, weil es notwendig war.

Kinder gehen vor. Punkt.
Vor allem Kleinkinder.

Damals bin ich gegen meinen Rhythmus gegangen – aber es hatte Sinn.
Beim 5-Uhr-Aufstehen fehlte dieser Sinn komplett.

Mein Körper hat das sehr schnell verstanden.

Der 5-Uhr-Mythos

Ich glaube übrigens nicht, dass all die prominenten 5-Uhr-Aufsteher das dauerhaft so durchziehen – außer sie gehören zu den Menschen, die schon immer sehr früh wach sind.

Diese Menschen gibt es.
Aber sie sind nicht die Norm.

Genauso wie es genügend erfolgreiche Menschen gibt, die erst mittags anfangen und dafür bis in die Nacht arbeiten.

Der Unterschied ist nicht die Uhrzeit.
Der Unterschied ist gutes Marketing.


Häufige Fragen zum 5-Uhr-Aufstehen

Ist 5 Uhr morgens aufstehen wirklich produktiver?
Nicht automatisch. Manche Menschen profitieren davon, andere verlieren Energie. Produktivität hängt stärker vom individuellen Biorhythmus ab als von der Uhrzeit.

Für wen eignet sich das 5-Uhr-Aufstehen eher nicht?
Für Menschen mit stabilem Schlafrhythmus, empfindlichem Schlaf, familiären Verpflichtungen oder starkem Abendbedürfnis kann frühes Aufstehen mehr schaden als nützen.

Macht frühes Aufstehen erfolgreicher?
Es gibt keine Belege dafür, dass Erfolg an eine bestimmte Uhrzeit gebunden ist. Erfolgreiche Menschen arbeiten zu sehr unterschiedlichen Zeiten.

Mein Fazit

Für mich war das frühe Aufstehen kein Zeitgewinn.
Es war eine zusätzliche Aufgabe.
Ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste.
Und am Ende vor allem eines: anstrengend.

Meine Laune war entsprechend – und meine Familie war ehrlich gesagt sehr froh, als ich wieder länger geschlafen habe.

Heute bin ich wieder in meinem Rhythmus.
Ich werde von allein wach.
Der Wecker ist nur noch Absicherung.

Und ich weiß jetzt sehr klar:
Ich kann für eine gewisse Zeit gegen meinen Rhythmus leben – aber nicht dauerhaft. Und schon gar nicht ohne Notwendigkeit.

Ein guter Morgen sollte mir Energie geben.
Nicht Schuldgefühle.


Deine Anna

 

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und ersetzt keine medizinische oder schlafmedizinische Beratung.

ÜBER DEN AUTOR

Autor

Anna Kammerer

Ich beschäftige mich mit Morgenroutinen – aber nicht mit denen, die aus To-do-Listen, Selbstoptimierung oder frühem Aufstehen um jeden Preis bestehen.

Mich interessieren keine 5-Uhr-Morgen, keine perfekten Abläufe und keine Routinen, die zusätzlichen Druck erzeugen.
Mich interessiert, was morgens wirklich guttut – ohne Stress, ohne Zwang und ohne das Gefühl, schon vor dem Frühstück hinterherzuhinken.

In meinen Artikeln teile ich persönliche Erfahrungen, kleine Selbsttests und ehrliche Beobachtungen aus dem Alltag. Nicht als Anleitung, sondern als Einladung: Dinge auszuprobieren, wieder loszulassen und den eigenen Rhythmus ernst zu nehmen.

Ich schreibe für Menschen, die ihren Morgen nicht „optimieren“ wollen, sondern ihn entlasten möchten.
Für alle, die sanfter in den Tag starten wollen – auf eine Weise, die sich leicht anfühlt und langfristig tragbar ist.

Du musst morgens nicht kämpfen.

Wenn dein Körper seinen natürlichen Rhythmus verloren hat, braucht er keine Disziplin – sondern Regulierung.

In meiner kostenlosen 3-Tage-Audio-Serie begleite ich dich Schritt für Schritt dabei, deinen Morgen wieder sanft zu stabilisieren.
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Ohne Druck.
Ohne komplizierte Routinen.

Nur klare Impulse, die dein Nervensystem und deinen Hormonrhythmus unterstützen.


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© 2025 Anna Kammerer